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BIOGRAPHIEWie schreibt man eine Biographie? Hier eine Möglichkeit:
Ein wenig nüchtern, nicht wahr? Wer nicht gerne liest, mag sich damit zufrieden geben. Aber sagt eine Tabelle, von den Eckdaten einmal abgesehen, auch etwas über die Person dahinter aus? Ich finde nicht. Deshalb habe ich im Anschluß, eine etwas elaboriertere Fassung meines fast 40 jährigen Lebens zu Papier, oder besser zu Web gebracht. Keinesfalls habe ich die Absicht den werten Leser zu langweilen, aber wer bis hierher gekommen ist, scheint meiner Person echtes Interesse entgegenzubringen und soll dafür auch belohnt werden. Wo beginnt eine Biographie? Natürlich bei der Geburt. Aber bevor ich dort anfange, sollte ich vielleicht noch ein, zwei Worte über meine lieben Eltern und deren Abstammung verlieren. Keine Angst, ich fasse mich kurz. Mein Vater ist Iraner, wie manche vielleicht schon erraten haben, daher mein Nachname. Meine Mutter ist in Salzburg geboren. Da der verrückte Herr Hitler Österreich aber unbedingt "Heim ins Reich" holen mußte, kurz bevor sie geboren wurde, hat sie heute, genau wie meine Brüder und ich einen deutschen Paß. Meine Eltern haben sich in Perugia/Italien beim Studium kennen- und lieben gelernt und zogen kurz darauf in die ewige Stadt Rom. Meine Mutter studierte Italienisch, mein Vater Medizin. Bis heute sprechen die beiden ausschließlich italienisch miteinander. Und jetzt sind wir auch schon am entscheidenden Augenblick angelangt. Am 12.12.1961 so gegen 2 Uhr nachts, wurde ich, Francesco Maziar Pahlevan, als erster von drei Söhnen unter, wie man mir sagte, nicht übermäßig großen Umständen geboren. Jeweils etwas mehr ein Jahr später, folgten meine Brüder Marco Afshin und Luca Ardeshir. Ich nehme an die italienischen Vornamen haben wir drei bekommen, weil sie so schön klingen. Sechs Jahre blieb meine Familie in Rom. Während meine Mutter mit uns drei Räubern alle Hände voll zu tun hatte, brach mein Vater sein Medizinstudium ab und wurde Pilot, was er aber auch nicht lange durchhielt. Irgendwann wurde beschlossen: Wir gehen in den Iran, genauer nach Teheran. Da ich kurz vor der Einschulung stand, kam ich nach Deutschland zu meiner Großmutter, die Professor für Biologie und Mathematik an der Pädagogischen Hochschule in Aachen war. Die anderen wollten, wie man so sagt, das Terrain sondieren und mich nach einem Jahr nachkommen lassen. Dieses Jahr in Deutschland hat mich sicherlich entscheidend geprägt. So bin ich von den drei Brüdern derjenige, der am wenigsten Persisch spricht, aber das meiste Italienisch beherrscht. Das erste Schuljahr in Deutschland war auch recht unterhaltsam. Zudem entwickelte ich in dieser Zeit eine besonders innige Beziehung zu meiner Großmutter. Als ich nach Teheran kam, wurde ich gleich an der deutschen Schule (Ja, das gab es zu Schahs Zeiten) eingeschult. An die etwa vier Jahre im Iran habe ich sehr wenige Erinnerungen. Seltsamerweise erinnere ich mich hauptsächlich an Gerüche. An die überwältigende Mischung von Düften und Gestank eines Bazars, zum Beispiel, an die scharfe Trockenheit der heißen Luft über einem der vielen Salzseen. Der Geruch von iranischem Tee. Mein Vater ging oft auf die Jagd und manchmal nahm er uns mit. Der Geruch frischen, oder alten Tierbluts, von zersägtem Horn, von Waffenöl und Schießpulver liegt mir, wenn ich daran denke, sofort wieder in der Nase. Persien ist ein wunderschönes, aber auch sehr wildes und fremdes Land. Die Leute sind gastfreundlich und warm, nicht alle natürlich, aber die allermeisten. Das einzige, was ich als Kind im Iran wirklich nicht ausstehen konnte, war der unaufhörliche Strom von Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, die an Feiertagen über uns drei Jungs herfielen und uns unbedingt mindestens dreimal küssen mußten. Der Grund warum wir 1972 wieder nach Deutschland kamen war, daß meine Eltern beide ein Studium beginnen wollten. Meine Mutter studierte auf Lehramt in Aachen und mein Vater Hotelmanagement in England. Warum in England? Nun, er spricht zwar fließend Englisch, Italienisch, Persisch, ein wenig Französisch, aber eben kein Deutsch. Von unserem Vater haben wir eigentlich nie viel mitbekommen, er war ständig unterwegs. Aber unsere Großmutter hat ihn erstklassig ersetzt, deshalb habe zumindest ich ihn nie sonderlich vermißt. Nach Abschluß ihres jeweiligen Studiums zog es meine Eltern und meine Brüder wieder nach Persien. Ich blieb bei meiner Großmutter. Anfang 1979 mußte meine Familie wieder nach Deutschland, weil ein gewisser Ayatholla Khomeni sich anschickte, den Iran in Brand zu setzen. Habe ich schon erwähnt, daß ich in meiner Jugend als der Unglücksrabe der Familie galt? Abgesehen davon, daß ich wirklich alle Kinderkrankheiten, die der Markt so zu bieten hat, auch bekommen habe, bin ich auch immer wieder das Opfer der seltsamsten Unfälle geworden. So habe ich mir zum Beispiel bei einer einfachen Rolle rückwärts das Bein gebrochen (versucht das mal nachzumachen). Kaum war es verheilt, brach ich es mir beim Spazierengehen wieder, so daß ich insgesamt fast ein Jahr in der Schule fehlte (der Traum eines jeden Jugendlichen). Versehentlich von einem Luftgewehr angeschossen zu werden, mehrere Stürze aus wirklich großen Höhen, sowie einmal vom Auto überfahren zu werden, sind nur einige der Highlights meiner Krankengeschichte. Aber irgendwie hat diese Unglücksserie mit meinem 14. Lebensjahr aufgehört und seither bin ich abgesehen von einem Schnupfen nie wirklich krank gewesen (TOI TOI TOI). Meine Jugend war rückblickend, trotz der verschiedenen Unfälle und Umzüge, sehr sehr glücklich, wofür ich sehr dankbar bin. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob meine Pubertät meine Mitmenschen in Mitleidenschaft gezogen hat, oder nicht. Ich habe jedenfalls keine negative Erinnerung daran. Im Gegenteil: meine Spielkameraden (Kai, Uwe, Bobbi, Ansgar, Tatjana und all die, deren Namen ich nicht mehr weiß, ich verneige mich vor Euch), die erste Zigarette (eine Dumonts, heimlich meiner Mutter geklaut), der erste Vollrausch (mit Apfelkorn, igitt), Rollhockey auf echten Rollschuhen (nicht auf Inlines, gab es einfach noch nicht), mein erstes Boxtraining, meine diversen Fahrräder, meine Trompete, die ich liebte (und der Lehrer, den ich haßte) meine Brüder, mit denen ich immer zusammen war (den Pahlevans gehörte der ganze untere Preusweg) und schließlich meine erste richtige Freundin (Elke, ich werde Dich nie vergessen), all das war ein einziges Abenteuer, das leider nur exakt bis zur zehnten Klasse dauerte. Das neusprachliche Gymnasium für Jungen und Mädchen, wo meine Brüder und ich zur Schule gingen, war eine alte, wunderschöne Villa, die direkt am Wald lag. Die Lehrer waren vielleicht deshalb ungeheuer starke Persönlichkeiten, aber auch ungeheuer schrullig. Es gab nur 400 Schüler und vielleicht 20 Lehrer und jeder kannte ausnahmslos jeden. Ich kann mit Fug und Recht sagen, daß ich dort wirklich für das Leben gelernt habe und nicht für die Schule. Das änderte sich leider, als die komplette Schule in einen scheußlichen, neuen Lernbunker umzog. Plötzlich kannte niemand den andern, weil gleich mehrere Schulen zusammengelegt wurden und der Ton wurde mit einem Mal sehr rauh. Ich habe mich da nie sehr wohl gefühlt. Vielleicht war das einer der Gründe, warum ich beim Versuch ein Abitur zu machen, scheiterte. Am letzten Schultag warf man mich hinaus. Na gut, in Mathe und Physik war ich, obwohl ansonsten ein guter Schüler, tatsächlich eine Katastrophe. Vielleicht sagt jetzt der eine oder andere werte Leser: Gott, wie furchtbar... Das fand ich damals auch, aber im Nachhinein war es wohl das Beste, was mir je passiert ist. Ich hatte seit meinem 15. Lebensjahr, nach den für Jungs üblichen Lokomotivführer- Astronauten- und Rennfahrerträumen, ernsthaft den Wunsch, Förster zu werden. Im Zuge der Vorbereitung auf dieses hehre Ziel, hatte ich viele Bücher über Bäume, Wälder und Forstwirtschaft gelesen und war dabei immer wieder auf etwas gestoßen, was mich von da an immer mehr faszinierte und schließlich zu meinem großen Traum wurde: Kanada! Warum? Wo auf der Welt gibt es mehr Wald und Platz für Tausende von strebsamen Förstern? Als dann jedoch Mangels Abi die Försterei nicht mehr machbar war, versuchte ich noch eine Ausbildung zum Forstwirt (zu deutsch: Waldarbeiter bzw. Holzfäller) zu starten, mußte aber schon nach kurzer Zeit kleinlaut zugeben, daß ich dem Beruf erstens körperlich nicht gewachsen war (und ich bin nicht gerade ein Schwächling) und zweitens dabei verblöden würde. O.k., dann also erst einmal Zivildienst absolvieren. Sechzehn Monate mobiler sozialer Hilfsdienst, was mir Spaß gemacht hat, aber auch keine neuen Perspektiven eröffnete. Das heißt, das wenige Geld vom Staat ermöglichte es mir immerhin Sprachunterricht in Englisch und Italienisch zu nehmen. Nach dem Zivildienst war ich zuerst für drei Monate in Italien und dann in England, bei meinem Vater. Der war inzwischen von meiner Mutter geschieden und mit neuer Frau und Kindern ausgestattet. Zwei Jahre bin ich beruflich relativ ziellos herumgeirrt. Heute nennt man das wohl elegant Orientierungsjahre. Für mich war diese Zeit eher furchtbar. Eine Bewerbung als Steward bei der Lufthansa scheiterte. Genauso übrigens, wie meine Ambitionen als deutscher Meister im Breakdance, naja, immerhin habe ich es bis zum NRW-Meister gebracht. Schließlich blieb nur noch ein Berufswunsch übrig, den ich bisher für unerreichbar hielt: Die Schauspielerei. Ich hatte schon in der Schule in der Theatergruppe mehr oder minder große Erfolge gefeiert. Und nach der Schule hatte ich mich der Amateurgruppe der Ex-Schüler angeschlossen. Als sich dann aus dieser Gruppe einige Leute, die es mit dieser Profession ernst meinten, herauslösten und ein eigenes Theater, das Theater K. in Aachen gründeten, war ich mit Begeisterung dabei, wenngleich ich herzlich wenig Ahnung mitbrachte. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Das Tröstende daran war: Ich war nicht allein (Danke, Mona, Annette und Jochen). Das Theater K. war eine erstklassige Schule. Wir machten alles selbst. Abgesehen vom Theaterspielen waren das: Bühnenbau, Beleuchtung, Plakatentwurf, Kostüme, Maske, Programmhefte, Werbung, Putzen, Putzen und noch mal Putzen und tausend kleine und große Dinge, die die Liste endlos machen würden. Fünf Jahre und 22 Produktionen später, bekam ich ein Angebot des N.N. Straßentheaters aus Köln, in Tourneestücken mitzuspielen. Ich nahm das Angebot an, verließ Aachen und das Theater K. und zog Anfang 1991 nach Köln. Noch in Aachen hatte ich die englische Schauspielerin Susannah, meine spätere Frau lieben gelernt, die von England zu mir nach Köln zog. Zwei Jahre war ich mit dem N.N. Theater auf Tournee. Straßentheater ist eine anstrengende, aber auch unglaublich befriedigende Art Theater zu spielen. Man erreicht Menschen, die nie auf den Gedanken kämen, ins Theater zu gehen. Wer es schafft, in einer hektischen und lauten Fußgängerzone schwere Tüten schleppende, 70 jährige Omas für eine Stunde vom Einkaufen abzuhalten, hat wirklich etwas geleistet. 1993 war beruflich ein sehr erfolgreiches Jahr für mich. Ich war bei der neuen Polizeiserie "Die Wache" in einer Hauptrolle besetzt worden (eine Art Lottogewinn für jeden Schauspieler) und hatte mit einigen Kollegen das Tourneetheater "Theater Dämmerung" gegründet, das mit meinem ersten selbst geschriebenen Stück "Raumschiff Elfterpreis" sogar Begeisterungsstürme beim Publikum und bei der Presse hervorrief. Die nächsten knapp sechs Jahre spielte ich in "Die Wache" die Rolle des türkischen Polizisten Ahmet Yener und außerdem in unserem Theater, bis wir es 1998 auflösten (danke für die schöne Zeit an Achim, Bertl, Ute und Astrid). Warum wir das taten? Nun, auch privat stand das Jahr 1993 für eine entscheidende Wende: Im Sommer dieses Jahres fuhren Susannah und ich nämlich zum ersten Mal nach Kanada in Urlaub. Für uns beide war diese Reise ein Abenteuer. Danach war alles anders. Dort und nirgendwo anders wollten wir leben. Von nun an arbeiteten wir zielstrebig daraufhin, die Auswanderung nach Vancouver in Westkanada möglich zu machen. Der kanadische Traum war schließlich zu mir zurückgekehrt. Ende 1994 heirateten Susannah und ich in einer alten Wasserburg in Bliesheim bei Köln. Und Ende 1996 hielten wir endlich das ersehnte Einwanderungsvisum in der Hand. Aber erst am 30. Juni 1997 war es soweit: Wir flogen nach Kanada und kauften uns ein wunderschönes Haus, an einer Meeresbucht gelegen, nahe der ebenfalls wunderschönen Millionenstadt Vancouver. Natürlich arbeiteten wir beide noch in Deutschland und flogen häufig zwischen unserer neuen Heimat und der alten hin und her. Tja, der große Traum ging zwar in Erfüllung, aber irgendwie ging darüber auch etwas verloren. Ende 2000 trennten Susannah und ich uns einvernehmlich voneinander. Das Haus haben wir verkauft und Susannah ging wieder nach England. Jetzt lebe und arbeite ich wieder in Deutschland. Aber der kanadische Traum ließ mich nicht mehr los. Zwischendurch habe ich sogar die kanadische Staatsbürgerschaft erworben. Das heißt ich bin ganz legitim Doppelstaatler. Ich werde dorthin zurückkehren und wenn es solange dauert bis ich dort meine Rente verprassen kann, dann ist das eben so, aber irgendwann...... Im Juli 2003 wurden Susannah und ich geschieden. Zwischenzeitlich habe ich meine neue große Liebe kennengelernt .... die Ulrike, die mich am 28. Mai 2004 heiratete und die mit mir den Traum von Kanada träumt. Ein schöner Traum. Aber ich habe immer viel geträumt und ich habe immer versucht meine Träume wahr zu machen, entgegen aller Unbill. Möglicherweise ist das eines meiner stärksten persönlichen Merkmale. Naja, wie auf der News Seite ja schon sehr deutlich geworden ist, ist er ja jetzt wahr geworden, der Traum von Kanada. Uli und ich haben uns voll ins Abenteuer gestürzt und sind jetzt stolze Besitzer eines Fishing Camps. Schaut Euch ruhig auf der Seite www.meadowlakefishing.com um (ab Dezember 2006) und kommt uns vielleicht mal besuchen.... Was bleibt noch zu sagen? Nicht viel. Doch, vielleicht noch dies: La vita é bella... Das Leben ist schön. |
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